Jürgen Moltmann im Interview

Als ich letzte Woche über dieses Interview mit dem Theologen Jürgen Moltmann stieß, war mir klar, dass ich es baldmöglichst ansehen musste. So nahm ich mir am Samstag Mittag in der Pause 1 ½h Zeit, schlug die Beine hoch und hörte dabei zu, wie Jürgen Moltmann aus seinem Leben erzählt. Besonders beeindruckend fand ich dabei seine Entspanntheit und schlichte Art, auf die Fragen der Dame zu antworten.

Ich denke heute noch über viele Dinge nach, die Moltmann gesagt hat und das Interview hat mich darin bestärkt, weitere Bücher von ihm zu lesen. Die da wären: Der gekreuzigte Gott, Theologie der Hoffnung und das Kommen Gottes. Aktuell lese ich zum zweiten Mal seine Anthropologie von 1971.

Dislaimer: leider ist die Soundqualität des Interviews nicht die Beste – ich konnte mich aber nach einigen Minuten daran gewöhnen.

Das Biest in anderen

Heute Abend bin ich in Volfs Exclusion & Embrace auf eine Stelle gestossen, die ich so aussagekräftig fand, dass ich sie hier nicht unzitiert (und -kommentiert) lassen wollte. Sie klingt wie folgt:

Consider an admittedly extreme example-the war in the former Yugoslavia. (…) “Eruption” seems the right word to describe it. I am referring less to the suddenness by which it broke out than to its insuppressible power. Nobody seemed in control. Granted, the big and strategic moves that started the war and kept it going were all carefully calculated and made in the centers of intellectual, political, and military power.

But apart from all this, there seemed to be an insatiable appetite for brutality among ordinary people. Once the war started and the right conditions were maintained, an uncontrollable chain reaction was under way.9 These were mostly decent people, as decent as most of us tend to be. Many did not, strictly speaking, choose to plunder and burn, rape and torture, or secretly enjoy these. A dormant beast in them was awakened from its uneasy slumber.

And not only in them. The motives of those who set to fight against the brutal aggressors were self-defense and justice. The beast in others, however, enraged the beast in them. The moral barriers holding it in check broke down and it went after revenge.

In resisting evil, they were trapped by evil. In “After the Catastrophe,” written right after World War Two, Carl Gustav Jung wrote, “It is a fact that cannot be denied: the wickedness of others becomes our own wickedness because it kindles something evil in our own hearts” (Jung 1964a, 198). Evil engenders evil, and like pyroclastic debris from the mouth of a volcano, it erupts out of aggressor and victim alike.

Seite 86/87 | Exclusion & Embrace | Miroslav Volf | Hervorhebung von mir

Oder, um es mit Kübras Worten zu sagen, deren Blog ich den hiesigen Lesern übrigens sehr empfehlen möchte:

Hass schürt Hass schürt Hass schürt Hass.

Diese Spirale zu unterbrechen (und vor allem: wie das möglich ist), scheint mir eine wichtige Aufgabe des (meines) menschlichen Daseins zu sein. Ich bin gespannt, wie Volf hierzu noch Stellung nimmt und welche Lösungsmöglichkeiten er vorschlägt.

Ich werde in den nächsten Wochen vermehrt auch ausserhalb meiner Lektüre nach Möglichkeiten ausschau halten, mit der genannten Problematik gewinnbringend umzugehen.

Niemals Gewalt

Als ich heute auf Facebook auf einen (lesenswerten) Artikel in der Süddeutschen mit dem Titel Viele Eltern schlagen immer noch zu verlinkte, wurde in den Kommentaren eine Geschichte von Astrid Lindgren zitiert, die auch hier ihren Platz finden soll. Die Geschichte ist ein Ausschnitt der Rede, die Lindgren 1978 hielt, als sie den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels bekam. Die komplette Rede kann auf ZEIT.de nachgelesen werden, was ich wärmstens empfehlen möchte.

Jenen aber, die jetzt so vernehmlich nach härterer Zucht und strafferen Zügeln rufen, möchte ich das erzählen, was mir einmal eine alte Dame berichtet hat. Sie war eine junge Mutter zu der Zeit, als man noch an diesen Bibelspruch glaubte, dieses “Wer die Rute schont, verdirbt den Knaben”. Im Grunde ihres Herzens glaubte sie wohl gar nicht daran, aber eines Tages hatte ihr kleiner Sohn etwas getan, wofür er ihrer Meinung nach eine Tracht Prügel verdient hatte, die erste in seinem Leben.

Sie trug ihm auf, in den Garten zu gehen und selber nach einem Stock zu suchen, den er ihr dann bringen sollte. Der kleine Junge ging und blieb lange fort. Schließlich kam er weinend zurück und sagte: “Ich habe keinen Stock finden können, aber hier hast du einen Stein, den kannst du ja nach mir werfen.” Da aber fing auch die Mutter an zu weinen, denn plötzlich sah sie alles mit den Augen des Kindes. Das Kind muss gedacht haben, “meine Mutter will mir wirklich wehtun, und das kann sie ja auch mit einem Stein”.

Sie nahm ihren kleinen Sohn in die Arme, und beide weinten eine Weile gemeinsam. Dann legte sie den Stein auf ein Bord in der Küche, und dort blieb er liegen als ständige Mahnung an das Versprechen, das sie sich in dieser Stunde selber gegeben hatte: “NIEMALS GEWALT!”

.

_/_/_/: Eine Bürogemeinschaft

Seitdem ich mich 2008 selbständig machte, habe ich stets alleine gearbeitet. Vor einem Monat bin ich in eine Bürogemeinschaft gezogen und das hat vieles verändert. Über die Vorzüge gemeinsamen Arbeitens und warum ich das liebe werde ich in den folgenden Zeilen berichten.

Ich würde mich selbst als einen introvertierten Menschen beschreiben. Ich mag größere Menschengruppen nicht zu sehr und habe kein Problem damit, tagelang alleine zu sein. Für mich ist es keine Bedrohung, über längere Zeit keine Menschenseele zu sehen und Verantaltungen mit 100+ Leuten empfinde ich als anstrengend. Deswegen war mein erster Besuch der photokina der reinste Horror für mich.

Als ich vor einigen Jahren kwerfeldein.de und meine Hochzeitsfotografie als Grundlange für meine Selbständigkeit etablierte, genoss ich es sehr, zu Hause zu arbeiten. In Jöhlingen brauchte ich nur in den Keller schlurfen und war schon im Büro. Ich konnte stunden (oder auch tage-) lang dort verweilen, Bilder bearbeiten und neue Texte für das Blog ausbaldowern.

Arbeit, Schreiben, Texten, Bildschirm, Tippen, Coden,

Daniel bei der Arbeit

Portrait, Spiegelung, schwarzweiß

Simon Böttler, derzeit Praktikant bei Marc

Doch nach meinem Burnout 2010 war eins klar: ich musste, so gut es ging eine Trennung zwischen Zuhause und Arbeit organisieren (das hatte mehrere Gründe). So zog ich im Dezember 2010 ins Gründerzentrum der Stadt Karlsruhe und hatte, auch wenn ein paar Freunde nebenan waren mein Zimmer für mich. Auch dort genoss ich die Stille, für mich zu sein. Jedoch empfand ich es zunehmend störend, immer alleine zu sein.

Weiterlesen

Ausschluss & Annahme

Exclusion & Embrace ⁄ Miroslav Volf

Vor ein paar Tagen habe ich mir wieder ein Buch zum digitalen Lesen gekauft. Kurz zuvor war mir bei Daniel im Bücherregal “Exclusion & Embrace: Theological Exploration of Identity, Otherness and Reconciliation” von Miroslav Volf aufgefallen. Nach kurzem Stöbern darin wollte ich es unbedingt als Nächstes lesen und hatte nach Mensch von Jürgen Moltmann wieder Lust auf theologische Lektüre.

Bisher habe ich es genossen, das Buch wieder digital zu lesen und habe es meistens über das iPad konsumiert (die Möglichkeit, Notizen und Markierungen zu speichern finde ich fantastisch). Volf geht also in oben genannter Studie auf die Thematiken Ausschluss & Annahme (unter Menschen) auf unterschiedlichsten Ebenen ein und beleuchtet die Thematik aus unterschiedlichsten Positionen.

Im Folgenden ein paar Zitate aus dem Buch, die mir a) zugesagt haben und b) anreissen, was Volf zu sagen hat:

Weiterlesen

Tagebuch schreiben

Vor ca. einem Jahr habe ich damit begonnen, Tagebuch zu schreiben. Ich war schon immer begeistert von der Idee, täglich etwas aufzuschreiben (weshalb ich auch mit dem Bloggen begann) und hatte hier und da ein paar Notizbücher, in denen ich Dinge notierte, die mir wichtig wurden.

In den zwanzigern (also meinen), waren das Bibelstellen, später habe ich aus Büchern Absätze abgeschrieben und dazu notiert, warum mir diese etwas bedeuteten. Jedoch gelang es mir nie, über längere Zeit dran zu bleiben. Und so fing ich hier mal ein Büchlein an, da ein Heftchen und so weiter und so fort. Na gut, manchmal hab die Tagebücher nicht mehr gefunden – bis zum nächsten Umzug dann.

Jedenfalls habe ich mir Anfang 2011 gesagt, Martin, schreibste mal wieder Tagebuch. Und entdeckte promt eine schicke App, die mir das Schreiben am Mac in Tagebuchform ermöglichte: Day One. Die App gibt es für den Mac, das iPad & auch fürs iPhone. Wobei ich Day One hauptsächlich (hauptsächlich? eigentlich nur!) am Mac nutze, da mir das Schreiben mit echter Tastatur am leichtesten fällt. Auf die Funktionen und Vorzüge von Day One werde ich evtl. ein anderes Mal weiter eingehen.

Weiterlesen

Auf ein Neues.

Nun ist es 2012. Als ich 2005 mit dem Bloggen begann, hatte ich keinen blassen Schimmer davon, wohin die Reise gehen könnte. Mittlerweile ist mein erstes Blog, kwerfeldein.de ein wachsendes Foto-Magazin geworden, auf das ich sehr, sehr stolz bin. Wir haben eine große Redaktion und täglich Fotografie-Artikel, die mich selbst täglich anregen und inspirieren.

Jedoch ist mein Bedürfnis, auch Inhalte abseits der Fotografie ins Netz zu stellen, immer noch so groß, wie am Anfang. So entschloss ich mich kurzerhand, eine neue Seite zu erstellen, die mir dies ermöglicht. Mit Hilfe von Daniel war das kein Problem und so sitze ich nun etwas wie der Ochs vorm Berg.

Eines möchte ich vorab klären: dies ist kein Fotografie-Blog. Auch wenn ich hier und da sicher Fotos einsetzen werde, werden Artikel zur Fotothematik, die ich veröffentlichenswert halte, stets auf KWERFELDEIN erscheinen.

Inhaltlich möchte ich hier über Theologie, Essen, Literatur, Musik, Freundschaft, Philosophie und viele andere Dinge schreiben, die mir im Alltag wichtig werden. Manchmal wird es nur ein Zitat, ein anderes mal nur ein kurzer Gedanke sein.

Ich freue mich auf den Diskurs zu meinen Notizen und bin gespannt, wie das alles so wird.